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Welch eine große Rolle die Aufstellung von Hifi-Geräten und Lautsprechern spielt, lernte ich gleich zu Beginn meiner »Hifi-Karriere« vor fast 30 Jahren. Direkt auf dem Teppich platziert, grummelten meine neu erworbenen Traumlautsprecher wie ein Miesepeter vor sich hin, von luftigen Höhen, sauberen Bässen oder Räumlichkeit keine Spur. Mit den beiliegenden Spikes, mit denen beide Boxen wie auf spitzen Stelzen standen, gewann die Präzision und Durchzeichnung.

So richtig zufrieden war ich aber nicht, weil die Anlage nicht so richtig aus den Pötten kam. Meine Vermutung: Durch den direkten Kontakt mit dem Boden – die Spikes bohrten sich mit ihren superspitzen Enden durch den Teppich direkt in den Estrich – wanderten die Bassimpulse der schallplattengroßen Tieftöner weiter zum CD-Spieler. Ich legte je ein Fünf-Mark-Stück unter die Spikes, die die Lautsprecher auf dem Kurzflorteppich fast wie auf einem Luftpolster schweben ließen und sie vom Boden entkoppelten. Das Ergebnis übertraf alle meine Erwartungen: Meine Metallscheiben groovten, Frauenstimmen verzauberten mich. Außerdem löste sich das Klangbild von den Lautsprechern, dehnte sich in der Breite und Tiefe aus, alle Schallereignisse hoben sich klarer voneinander ab.

Das weckte meinen Entdeckergeist: Vom Sideboard wanderten die Vor- und Endstufe sowie der CD-Spieler in ein hochwertiges Rack – was ähnliche Auswirkungen hatte wie bei den Lautsprechern. Seither steht bei uns keine Komponente, kein Lautsprecher auf den Standardfüßen. Selbst für meinen Bluetooth-Minilautsprecher baute ich einen bedämpften und entkoppelten Stand. Er ließ ihn größer, klarer und echter spielen. Bei meinen Selbstbauprojekten probierte ich auch verschiedenste Materialien – mit zum Teil sehr unterschiedlichen, nicht immer positiven Ergebnissen.

bFly-audio Absorber und Gerätefüße
Alle bFly-audio Testartikel im Überblick | Foto(s): FW

Wohlklingender Materialsandwich: die bFly-audio MLA-Technology

Als HIFI-TODAY Herausgeber Karl Belkner anfragte, ob ich Unterstellfüße von bFly-audio testen wolle, sagte ich sofort zu. Ich hatte schon viel darüber gelesen und war sehr gespannt, wie sie sich in meinen Anlagen schlagen würden. bFly-audio Chef Reinhold Schäffer verfolgt bei allen seinen Absorbern das von ihm entwickelte Konzept der MLA-Technologie (Multi Layer Adjustment), um Schwingungen möglichst breitbandig abzubauen. Durch unterschiedliche, aufeinander abgestimmte Lagen wie zum Beispiel Sorbothane und ein Kork-Kautschuk-Granulat soll jede Absorber-Ebene unterschiedliche Frequenz-Spektren filtern und so effektiver wirken als ein einzelnes Material – ein Ansatz, der mir durch meine Selbstversuche einleuchtet. Außerdem gibt es auf die Gerätegewichte abgestimmte Größen, was die Wirkung laut Schäffer optimiert.

MLA-Technologie
Das Innenleben der bDISK | Grafik: bFly-audio

Schwingungen entstehen auf unterschiedlichste Weise: Zum einen erfolgt eine Übertragung der Lautsprecherimpulse über den Boden (Körperschall) und über die Luft (Raumschall), zum anderen erzeugt jedes Laufwerk Vibrationen. Und selbst elektrische Bauteile haben ein mechanisches Eigenleben – das bekannteste, häufig auch hörbare Beispiel sind brummende Trafos. All diese Vibrationen werden in elektrischen Bauteilen in Spannung umgewandelt und beeinflussen den Klang. Mikrofonie heißt dieser Effekt.

Folgende Produkte schickte bFly-audio ins Rennen:

  1. TALES PRO Lautsprecherfüße – sie werden anstelle klassischer Spikes in die Gewinde der Lautsprecherboden gedreht. Je nach Boxengewicht gibt es zwei Größen: M für bis zu 50 kg schwere Klangmöbel und L für bis zu 400 kg Belastung. Im Vergleich zum TALES BASIC besitzt die getestete Pro-Variante zusätzlich zur Schicht aus dem Kork-Kautschuk-Granulat eine Scheibe des Polymers Sorbothane, das mit einer folienartigen Einlage (lila) vom Kork-Kautschuk-Ring getrennt wird (siehe nachfolgende Grafik). Diese gezielte Trennung der beiden Absorberebenen sorgt laut Hersteller für ein nochmals verbessertes Absorptionsverhalten. Den Abschluss bildet beiden Versionen ein Gleiter aus POM-Kunststoff.
  2. b.DSIC PRO MK II: Sie gleichen vom Aufbau den TALES PRO Lautsprecherfüßen, besitzen aber anstelle der Gewindebohrung auf der Oberseite eine kleine, ins Aluminium eingefräste Vertiefung als Spikeaufnahme, der untere POM-Gleiter ist optional. Die b.DISC PRO ist in drei Größen erhältlich: S (bis 5 kg Belastung pro Stück), M (bis 12 kg) und L (bis 100 kg).
  3. PURE Absorberfüße für Geräte oder Kompaktlautsprecher. Die untenstehende Grafik zeigt, wie Schäffer hier seine MLA-Technologie auf die Spitze treibt: Neben zwei Lagen Kork-Kautschuk, gibt es eine weitere aus Spezialkautschuk, in der Aussparung des Soborthane-Rings bildet sich eine dämpfende Luftkammer und der Bodenkontakt erfolgt über ein Gelkissen. Engste Toleranzen zwischen dem Gehäuse und den Dämpfungsebenen sollen seitliche Schwingen weiter minimieren. bFly bietet eine Version zum Schrauben und eine zum Unterstellen. Je nach Höhe der Belastung gibt es fünf Varianten, jeweils im 4er-Set: PURE 0s (bis 5 kg), PURE 0 (bis 5 kg), PURE 1 (bis 25 kg), PURE 2 (bis 45kg) und PURE 3 (bis 70 kg).

Klangturbo für Lautsprecher: TALES PRO

Als Erstes kamen die TALES PRO Lautsprecherfüße an der Standbox B&W 804 zum Einsatz. Sie ersetzen die Via Blue Ufo Absorber, die schon einen klaren Klangvorsprung gegenüber den Beipackfüßen brachten – mit Letzteren spielte die 804 etwas zäh und verhangen. Und so viel schon vorweg: die TALES PRO bleiben. Es klingt lauter, Bässe katapultiert es impulsiver in den Raum, Instrumente und Stimmen besitzen mehr Körper, die Bühne ist aufgeräumter.

bFly-audio TALES PRO unter Lautsprecher
Montage der TALES PRO unter der B&W 804 | Foto: FW

Auch die Klangfarbenvielfalt nimmt zu, was auf ein reicheres Obertonspektrum schließen lässt, grob und feindynamisch wird mehr geboten. Alles in allem kommt es mir so vor, als schwängen die Lautsprecherchassis schneller ein- und aus. Den Flügel auf der CD »Sanctuary Mercy« habe ich noch nie so klar und eindringlich gehört: Einzelnen Saiten lassen sich abzählen und schwingen über die gesamte Länge, bei denen für die tiefsten Töne sind das immerhin rund zwei Meter, der Holzkorpus ist klarer hörbar als zuvor.

TALES PRO von bFly-audio
Das Innenleben der TALIS Lautsprecherfüße | Grafik: bFly-audio

Die Klangfarbenpracht erinnert mich an den lang anhaltenden und wunderbar vielschichtigen Geschmack eines über 20 Jahre alten Rotweins, den ich vor kurzem genießen durfte. Durch ausgeprägtere Pausen und die wunderbar perlenden Klavierläufe berührt mich das erste Lied »You are my Hiding Place« stärker – und das zieht sich durchs ganz Album. Beim zweiten Lied »Sing Hallujah« baut sich die Intensität bis zur Mitte des Stücks auf, um anschließend in eine herrlich beschwingte, fröhliche Tonart zu wechseln.

Schön, dass ich diesen Kontrast jetzt noch intensiver wahrnehme. Auch Stimmen profitieren: Das sonore Soul-Organ der US-Sängerin Lizz Wright begeistert mit mehr Körper und Kraft, hebt sich beim Titel-Song »Grace« (Gnade) klarer vom Background-Chor ab. Wenn beide zusammen voller Kraft Forgiveness (Vergebung) einstimmen, geht das unter die Haut und die Zeit scheint – zumindest für einen kurzen Moment – still zu stehen.

Klangturbo, die Zweite: Spiketeller b.DSIC PRO

Zurück in der Realität tausche ich im zweiten Schritt unter dem Center-Lautsprecher die Spiketeller des Entkopplungspioniers SSC gegen die b.DSIC PRO. Weil die Box von hinten nach vorne ansteigt, würden starre Einschraubfüße wie die TALES PRO hier nicht funktionieren. Macht aber nichts, denn die Kombi aus Spikes und dem b.DSIC PRO überrascht ebenfalls: Als Professor Boerne und Hauptkommissar Thiel beim aktuellen Münsteraner Tatort sich in der Pathologie unterhalten, hört es sich plötzlich nach einem gefliesten Kellerraum an, dennoch sind die Dialoge klarer als zuvor.

b.DSIC unter Centerlautsprecher
b.DSIC PRO für die vorderen Spikes des Center Lautsprechers | Bild: FW

Die Soundeffekte beim Hollywood-Blockbuster Dr. Strange in the Madness of the Universe zaubern mir ein noch intensiveres Grinsen ins Gesicht, denn die Bühne gewinnt an Größe, bei manchem Soundeffekt zucken wir zusammen, weil sie uns so ansatzlos entgegenschießen. Gut, dass die b.DSIC PRO im Aluminium-Look optisch hervorragend mit dem Center harmonieren, denn auch sie bleiben.

Anschließend platziere ich vier b.DSIC PRO im kleinen Hörraum unter den Spikes des Racks. Meine Erwartungshaltung ist gering, weil der Hifi-Altar statt klassischer Ebenen nur dünne Träger besitzt, die gesamte Konstruktion auf schnellstmögliche Schwingungsableitung getrimmt ist und alle Geräte entkoppelt stehen. Doch Irren ist menschlich: Musiker gehen nach dem Upgrade gefühlt mit neuem Spaß ans Werk, auch hier nimmt das Klangfarbenspektrum zu, Instrumente stehen noch schärfer umrissen im Raum – was zuvor schon richtig, richtig gut war.

bFly-audio b.DSIC PRO unter HiFi-Rack
Unterlage für die Rack Spikes: b.DSIC PRO | Bild: FW

Beim Intro »War« auf der CD »For Victory« der britischen Death-Metal-Legende Bolt Thrower knallt mir das Schlagzeug schon bei Zimmerlautstärke so um die Ohren, dass ich die Schallwellen körperlich spüre. Die Gitarren schaffen den herrlichen Spagat aus einem schneidenden, aber nie nervenden Sound. Und als Sänger Karl Willets beim zweiten Titel »Remembrance« loslegt, läuft es mir heiß und kalt den Rücken herunter, so energiegeladen schreit er mich an – Wahnsinn! Da wird es fast zur Nebensache, dass sich bei Beckenschlägen die Metall- und Holznoten noch feiner aufdröseln oder die für Bolt Thrower typische Wall of Sound noch massiver auf mich zurollt.

Wieder einmal frage ich mich, wieso dieses Klangpotential so viele Jahre im Dornröschenschlaf schlummerte – bis es endlich wachgeküsst wurde. Das Gehörte erinnert mich an die anfangs beschriebene Erfahrung mit meinen Lautsprechern und zeigt: Spikes allein sind nur eine Notlösung.

Standesgemäße Partnerschaft: PURE Absorberfüße und Hifi-Geräte

An der Anlage im kleinen Hörraum kommen auch die PURE Absorberfüße zum Einsatz – statt der rund 30 Prozent teureren VCF-Füße von Audio Physic, bei denen die Geräte über zwei sich abstoßende Magnetfelder in der Luft schweben. Das Audio-Physic-Prinzip funktioniert hervorragend, doch sobald der CD-Spieler auf den PURE Absorberfüßen ruht, schiebt es die Musik nochmals nachdrücklicher in den Raum, die Instrumente im Vordergrund wirken noch plastischer. Insgesamt wirkt die Darbietung erdiger. Mit den VFC-Füßen hingegen dehnt sich die Bühne weiter in die Tiefe aus, doch mir sagen die bFly PURE mehr zu.

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CM Audio
Pure Absorberfüße unter CD-Player
Die PURE Geräteabsorber im Einsatz | Bild: FW

Bei der Endstufe fallen die Unterschiede zwischen die beiden Absorbertypen ähnlich aus, wieder fällt meine endgültige Wahl auf den bFly PURE – ich mag es einfach, wenn Instrumente und Stimmen so viel Körper besitzen, dass man sie in Gedanken so umranden kann wie bei einem tatsächlichen Aufenthalt auf der Bühne.

Innenleben der bFly-audio PURE

Dass die Unterschiede zwischen dem CD-Spieler und der Endstufe auf einem vergleichbaren Niveau liegen, mag daran liegen, dass das Laufwerk in einem an Federn aufgehängtem, schwerem Alublock schwebt und das Endstufengehäuse aus nicht ganz so massiven Blechen besteht, die stärker schwingen als dickwandige.

Mein Rat lautet: In der eigenen Anlage ausprobieren – und wenn es der finanzielle Spielraum zulässt, möglichst viele Geräte entkoppeln, weil sich der Klanggewinn addiert.

Ganz am Schluss wandern noch die kleinen PURE 0s mit dünnem doppelseitigem Klebeband fixiert unter die Furutech-Steckdosenleiste. Auch das hört man, zwar nicht ganz so stark wie bei CD-Spieler und Endstufe. Dennoch lohnt sich die Anschaffung, denn ohne Füße fehlt mir dann das Plus an Plastizität, Druck und Sonorität.

Fazit

Die Testprodukte von bFly-audio bringen viel – zu einem verhältnismäßig günstigen Preis. Ob die TALES PRO Lautsprecherfüße, die b.DSIC PRO Spikeuntersetzer oder die PURE Absorberfüße, Reinhold Schäffer von bFly-audio hat ganze Arbeit geleistet. Alle drei Produkte verbinden auf eine beeindruckende Weise Kraft und Körperhaftigkeit mit Klangfarbenvielfalt und Räumlichkeit. Sie heben den Klang der Anlage auf ein deutlich höheres Niveau und sind in Anbetracht der gebotenen Leistung sogar günstig.

Stehen Lautsprecher gerade, empfiehlt sich der TALES PRO, für solche bei denen die Bodenplatte (oder die Gewinde für die Füße) nicht parallel zum Boden verlaufen, ist die Kombination aus Spikes und dem b.DSIC PRO dagegen die erste Wahl. Geräte profitieren von den PURE Absorberfüßen enorm. Die Korkseite der PURE sollte dabei direkten Kontakt zur Bodenplatte haben, und nicht unter die Gerätefüße gestellt werden – das würde die Schwingungsableitung und damit den Klanggewinn ausbremsen.

Auch mit der schwarzen Gelseite unter dem Geräteboden verschenkt man Potenzial: Beim Soundtrack von Schindlers Liste beispielsweise höre ich falsch herum nicht mehr die schwingenden Bogenhaare, die Darbietung verliert an Ausdruck, Bässe wirken aufgeblasener und weniger schwarz. Wer Freude daran hat, kann mit der Position der Füße unter dem Geräteboden experimentieren. Weiter außen positioniert unterstützt es die Ableitung von über die Gehäusewände aufgenommenen Raumschall, in Trafonähe oder unter CD-Laufwerken werden deren Schwingen besonders effektiv minimiert.


TALES PRO Lautsprecherfüße (schwarz oder silber)

Lieferung mit M8 Schrauben (Länge: 15 mm und 25 mm), optional auch mit M6, M10 oder M12-Schrauben.

Größen:

  • M bis 50 kg/Set (Durchmesser/Höhe o. Schraube: 42/15 mm), 4er-Set: 259 €
  • L bis 400 kg/Set (Durchmesser/Höhe o. Schraube: 55/17 mm), 4er-Set: 369 €

b.DSIC PRO MK II (schwarz oder silber)

Größen:

  • S bis 5 kg/Stk (Durchmesser/Höhe: 37/10 mm), Stk: 33 €/39 € mit POM-Gleiter
  • M bis 12 Kg/Stk (Durchmesser/Höhe: 42/11 mm), Stk: 39 €/45 € mit POM-Gleiter
  • L bis 100 kg/Stk (Durchmesser/Höhe: 55/13 mm), Stk: 59 €/65 € mit POM-Gleiter

PURE Absorber (schwarz oder aluminium)

Lieferung als 4er-Set im Koffer, Durchmesser: 44 mm, Höhe wahlweise 17, 24 oder 31 mm, auch als Version für Röhrengeräte erhältlich. Die PURE 0s sind kleiner: 33 mm Durchmesser und Höhe 20 mm.

Größen:

  • PURE 0s bis 5 kg, 4er-Set : 199 € (kleine Version)
  • PURE 0 bis 5 kg, 4er-Set: 229 €
  • PURE 1 bis 25 kg, 4er-Set: 249 €
  • PURE 2 bis 45 kg, 4er-Set: 299 €
  • PURE 3 bis 70 kg, 4er-Set: 359 €

Hersteller & Vertrieb

bFly-audio
Theodor-Sachs-Straße 60
86199 Augsburg
Web: www.bfly-audio.de
eMail: info@bfly-audio.de
Tel.: +49 (0)821 – 9987797

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