PolarX Gerätefüße von bFly-audio – HiFi Test

Lesedauer: ca. 9 Minuten

Wie man sich bettet, ruht man – dieses Sprichwort gilt in abgewandelter Form auch für HiFi-Geräte: Die richtige Aufstellung kann den Unterschied machen zwischen Fußwippen und Gänsehaut – oder 0815-Klang. Die bfly PolarX Absorbern können sogar noch mehr als andere Modelle: Dank austauschbarer Geräteauflage lässt sich der Klang individuell anpassen – ein Konzept, das unseren HIFI-TODAY-Tester Frank Wacker applaudieren lässt.

 

bfly polarX Übersicht

 

Ein Freund, der selbst gerne schmackhafte Menüs zubereitet, gönnt sich und seiner Frau gelegentlich einen Besuch beim Sternekoch. Danach schwärmt er wochenlang davon, wie der Küchenmeister verschiedenste, zum Teil auch sehr überraschende Zutaten so miteinander kombinierte, dass jeder Bissen nachhaltig die Sinne berauschte. Mit ideal zur Anlage passenden Hifi-Zubehör lässt sich Ähnliches erreichen – das zeigt die zum Teil jahrzehntelange Erfahrung der HIFI-TODAY-Autoren.

Neben der Stromversorgung, den Lautsprecher- und Geräteverbindungskabeln spielt die Geräte-Aufstellung eine entscheidende Rolle: Seit mehr als 30 Jahren experimentiere ich mit Absorbern/Entkopplern unterschiedlichster Hersteller und staune über die zum Teil großen Unterschiede. Stehen Geräte und Lautsprecher dagegen auf einfachen Spikes, Gummipuffern oder den angeschraubten Füßen, verschenkt man jede Menge Klangpotenzial.

Seit meinem letzten Test verschiedener Modelle von bfly-audio (Testbericht bFly-audio Lautsprecherfüße und Geräteabsorber) bin ich, so wie viele andere Hifi-Tester, ein großer Freund der Absorber von bfly-audio Chef Reinhold Schäffer. Als ich von seinem neuesten Flaggschiff, dem PolarX, hörte, juckte es mir sofort in den Ohren. Auch beim PolarX verfolgt Schäffer das Konzept der MLA-Technologie (Multi Layer Adjustment), um Schwingungen möglichst breitbandig abzubauen. Durch unterschiedliche, aufeinander abgestimmte Lagen soll jede Absorber-Ebene unterschiedliche Frequenzspektren filtern und so effektiver wirken als ein einzelnes Material.

bfly Audio PolarX Explosionsdarstellung

 

Lageplan: innovativer Materialmix für besseren Klang

Im Aluminiumgehäuse stecken – von oben nach unten – ein Kork-Kautschuk-Granulat (s. Grafik unten), eine Schicht des viskoelastischen Kunststoffes Sorbothane und ein Spezialkautschuk. Sorbothane lassen Impulse im Vergleich zu Silikonen oder Gummi schneller und effektiver abklingen – für mich die Erklärung, warum unsere B&W 804 etwas matschig und dumpf klangen, als sie zu Beginn auf den mitgelieferten Parkettschonenden Silikonfüßen stand. Das PolarX-Gehäuse verhindert horizontale Bewegungen der Dämpfungsebenen – »Bewegten sich die Absorberlagen auch waagrecht, klang es in der Entwicklungsphase diffuser«, erklärt Schäffer. Die Entkopplung zur Standfläche erfolgt über ein spezielles Gelpad.

Der neuste Geniestreich Schäffers – so viel sei schon verraten – besteht beim PolarX aber darin, die Ankopplung ans Gerät mittels eines in drei unterschiedlichen Materialien erhältlichen Conductors variieren zu können. Er wird über ein spezielles Feingewinde in den Absorberfuß eingeschraubt. Ungewünschte Wechselwirkung zwischen Conductor und Alugehäuse verhindert der Dämpfungsring aus POM (Polyoxymethylen), ein Kunststoff, der auch bei hochwertigen, klangstarken Plattenspielern gerne verarbeitet wird.

»Mit dem Conductor können wir Geräteschwingungen schnell und effektiv in den Absorberfuß ableiten und dort herausfiltern.«

Reinhold Schäffer

Schwingungen entstehen auf unterschiedlichste Weise: Zum einen erfolgt eine Übertragung der Lautsprecherimpulse über den Boden (Körperschall) und über die Luft (Raumschall), zum anderen erzeugt jedes Laufwerk Vibrationen. Und selbst elektrische Bauteile haben ein mechanisches Eigenleben – das bekannteste, häufig auch hörbare Beispiel sind brummende Trafos. All diese Vibrationen werden in elektrischen Bauteilen in Spannung umgewandelt und beeinflussen den Klang. Mikrofonie heißt dieser Effekt.

 

Musik zum Greifen nah erleben

Erhältlich ist der Conductor in drei unterschiedlichen Materialien: Aluminium, Kupfer und POM-Kunststoff. »Jeder der drei hat eine andere Klangsignatur«, sagt Schäffer – was der Test bestätigt. Aluminium klingt wunderbar luftig und durchhörbar, kann je nach Gerät und Anlage aber auch mal zu harsch oder zu hell sein. Kupfer begeistert durch sehr natürliche Klangfarben und eine ausgeprägte Körperhaftigkeit, in eher warm abgestimmten Anlagen kann es sich mit zu viel Kupfer allerdings zu dunkel anhören. Und die POM-Variante? Wirkt wie ein Weichzeichner in der Fotografie und empfiehlt sich immer dann, wenn es mit Aluminium zur spitz oder mit Kupfer zu direkt und erdig wird.
Grundsätzlich begeistert der PolarX mit superber Feinauflösung, erstklassigem Timing und einer nur selten anzutreffenden Mischung aus Plastizität und Räumlichkeit – egal ob CD-Spieler, Vor- oder Endstufe, Surroundverstärker oder All-In-On. Auf ausführliche Klangbeispiele verzichte ich dieses Mal, weil sich das wie ein roter Faden durch alle Musikstile hindurchzieht – von Jazz, Klassik und Filmusik über Pop bis hin zu meinen krassesten Death-Metall- und Grindcore-Alben.

 

 

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Phonosophie

Wie bei bfly-audio üblich, gibt es die PolarX für unterschiedliche Gewichtsklassen, markiert durch einen farbigen Punkt auf der Unterseite:

  • PolarX-0 (weißer Punkt): Belastbarkeit pro Stück bis 1 Kilo
  • PolarX-1 (gelber Punkt): Belastbarkeit pro Stück bis 4 Kilo
  • PolarX-2 (oranger Punkt): Belastbarkeit pro Stück bis 10 Kilo
  • PolarX-3 (roter Punkt): Belastbarkeit pro Stück bis 17 Kilo

Bei Geräten mit unterschiedlicher Masseverteilung empfiehlt es sich, PolarX unterschiedlicher Gewichtsklassen zu kombinieren. Bei meiner Endstufe sitzen die beiden fetten Trafos, die rund zweidrittel des Gesamtgewichts von fast 30 Kilo ausmachen, im vorderen Gehäuseteil, deshalb platziere ich dort zwei PolarX-2, unter dem hinteren, viel leichteren Bereich dagegen zwei 1er. Weil das Rack keine klassischen Böden besitzt, sondern nur X-förmige Streben als Gerätehalter, funktioniert bei der Endstufe die Aufstellung mit nur drei PolarX nicht.

Bei der Vorstufe klappt es: Der Ringkerntrafo hinten links besitzt so viel Masse, dass sie mit drei Füßen (unter dem Ringkerntrafo ein 2er, vorne links und hinten rechts je ein 1er) sicher steht. Der Surroundverstärker der Heimkinoanlage befindet sich in einem Rack mit klassischem Boden und ruht ebenfalls auf drei PolarX: Ein 3er mittig unter dem mächtigen Ringkerntrafo lässt ihn schon fast perfekt ausbalanciert »schweben«, je ein 2er auf der Vorder- und Rückseite leicht diagonal zueinander versetzt, stabilisieren den Boliden – eine ungewöhnliche Lösung, die aber klanglich letzten Endes das Rennen gemacht hat. Vermutlich werden so die Schwingungen des Trafos am schnellsten abgeführt.

Grundsätzlich empfiehlt Schäffer, mit der Quelle (CD-Spieler, Streamer oder Plattendreher) zu beginnen, doch bei der Anlage im kleinen Hörraum bringen Absorber am Vorverstärker und der Endstufe noch mehr als am CD-Spieler. Vermutlich weil Letzterer von allen drei das aufwendigste Gehäuse mit einer massiven Wanne aus Aludruckguss besitzt, das Laufwerk schwingend aufgehängt ist und eine spezielle Dämpfungsauflage die CD während des Abspielvorgangs beruhigt.

 

Kupfer oder Aluminium? Ihr Ohr entscheidet!

Aus diesem Grund lege ich beim Vorverstärker los – und bin überrascht, wie viel besser die PolarX im Vergleich zum bfly Pure bringen, von dem ich nach dem letzten Test mehrere Sets sofort kaufte, weil er mir so gut gefiel. Mit den bfly PolarX mit Aluminium Conductur ist noch mehr Energie im Spiel, es klingt wunderbar luftig, der Raum öffnet sich vor allem in der Höhe und ist in der Tiefe durchstrukturierter, weil Instrumente, Stimmen und alle anderen Töne sich klarer voneinander abgrenzen, durch das Luftvolumen um sie herum, aber dennoch eine Einheit bilden.

Allerdings klingt es mir mit den Aluminium-Conduktoren auch etwas zu harsch und aufgrund des etwas überpräsenten Hochtonbereichs nicht ganz so homogen. So nervt Norah Jones Stimme auf ihrem Debutalbum »Come away with me«, die Aufnahmetechnisch vor allem im Hochton für meinen Geschmack eh schon etwas überbetont daherkommt. Aus diesem Grund wechsle ich bei allen drei bfly PolarX auf die Kupfer-Conduktoren. Mit Erfolg: Es klingt im Hochton zwar weniger luftig, dafür aber nicht so scharf. Zudem wächst das Luftvolumen im Mittel- und Grundton – was ich als natürlicher empfinde. Das gilt auch für die facettenreichen Klangfarben, der Bass kommt megasatt und sauber.

Ganz zufrieden bin ich aber nicht, klingt es bei manchen Aufnahmen wie Tori Amos Album Night of the Hunters doch etwas zu dunkel. Warum also nicht Kupfer und Aluminium miteinander kombinieren? Nach etwas herumexperimentieren stellt sich folgende Lösung als die ideale Mischung heraus: Kupfer hinten links direkt unter dem Trafo und vorne links, Aluminium hinten rechts.

 

fly polarX unter ROTEL Vorstufe
PolarX unter der Vorstufe: vorne links und hinten mit Kupfer-Conductor, hinten rechts Aluminium. – Bild: FW

 

Auch der Surround-Verstärker im Heimkino legt durch die bfly PolarX mächtig zu – ob bei Filmen oder Musik. Der Bass kommt auf einmal so tief und schwarz, dass ich die Bassreflexöffnungen der B&W 804 verschließe, weil es manchmal doch eine Spur zu mächtig wird. So klingt es aber trotzdem deutlich besser als vorher, weil die Bassläufe federnder und durchhörbarer sind als ohne die PolarX Absorber. Und wieder einmal staune ich, wie stark sie sich auf den Klang auswirken. Als im Herbst 2025 der Rotel-Surroundverstärker nach einem Defekt durch einen von NAD ersetzt wurde, zeigte sich einmal mehr, wie wertvoll die austauschbaren Conduktoren sind. Der NAD kombiniert ein klassisches Netzteil mit fettem Trafo mit Class-D-Endstufen, klingt oben herum offener und präsenter als der Vorgänger mit A/B-Technik. Vor allem meine Frau vermisste Emotionalität und Volumen. Mit drei Kupfer-Conduktoren (statt 2 x Kupfer und 1 x Aluminium wie beim Vorgänger) hört es sich nun so an, dass meine Frau gut damit leben kann – und ich wieder entspannt bin.

 

Das Fazit

Mit den PolarX Absorbern gelingt Reinhold Schäffer ein großer Wurf. Sie spielen in der Klasse weitaus teurer Modelle und ermöglichen eine enorm körperhafte, dynamische, weiträumige sowie feinauflösende Wiedergabe. Und das Feintuning über die drei unterschiedlichen Conduktoren machen sie einzigartig – unbedingt ausprobieren. Wichtig: Die PolarX immer direkt unter den Gerätebodenstellen, nie unter die Gerätefüße. Letztere reduzieren die Abführungen von Geräteschwingungen enorm.

PolarX-0        bis   1 kg    139,00 €  / Stück    * Punkt = weiß
PolarX-1        bis   4 kg    149,00 €  / Stück    * Punkt = gelb
PolarX-2        bis 10 kg    169,00 €  / Stück    * Punkt = orange
PolarX-3        bis 17 kg    199,00 €  / Stück    * Punkt = rot

Der PolarX kann mit zwei verschiedenen Conductoren bestellt werden: Aluminium oder Kupfer. Jeweils gratis dabei ist ein Conductor aus dem Kunststoff POM. Setzt man diesen POM Conductor anstatt des jeweiligen Metall-Conductors ein, ergibt sich ein weicheres Klangbild.

bFly-audio rät nicht alle Coductoren gleichzeitig zu ersetzen, sondern schrittweise, Absorber für Absorber. Solange bis das Ergebnis gefällt.

 

Hersteller & Vertrieb

bFly-audio
Reinhold Schäffer
St.-Martin Weg 1
86986 Schwabbruck

www.bfly-audio.de
email:
info@bfly-audio.de

Tel.: +49 (0) 88 68 1 81 87 55

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