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Nach dem Lautsprecherkabel nun also auch ein Cinchkabel: NovaPad-audio erweitert sein Programm – und bleibt dabei den selbst hergestellten Geigenlacken treu. Zum Glück, wie dieser Test beweist…

Novapad Audio Stecker Cinchkabel

Ein Meter Musikalität

Ich muss zugeben: Ich bin großer NovaPad-Fan. Sowohl von den Absorbern als auch vom Lautsprecherkabel war ich bei meinen Tests so begeistert, dass ich sie mir anschließend tatsächlich gekauft habe und bis heute nutze. Ob ich unter diesen Voraussetzungen einen objektiven Testbericht über das neueste Produkt von Oliver Keller, dem Kopf hinter NovaPad, verfassen kann? Nun, auf der einen Seite bin ich sicherlich voreingenommen. Auf der anderen Seite sind meine Erwartungen aber auch extrem hoch. Ich hoffe, das gleicht sich irgendwie aus. Also, frisch ans Werk…

Das Produkt

Eigentlich war es nach dem Erfolg des Lautsprecherkabels nur eine Frage der Zeit, bis Keller auch ein Cinchkabel auf den Markt bringen würde. Nun ist es also soweit. Und wie immer bei den NovaPad-Produkten liegt die Besonderheit darin, dass Keller auch hier seine Geigenlacke aus eigener Manufaktur nutzt, um den Klang des Kabels zu perfektionieren.

Der Aufbau des einen Meter langen Kabels erscheint auf den ersten Blick simple, hat es aber in sich – und entspricht im Prinzip dem des Lautsprecherkabels: kryogenisierter, also schockgefrosteter Silberdraht. Darauf eine hauchdünne Schicht des bereits erwähnten Geigenlacks. Drumherum eine Lage Papier und als äußere Hülle ein – zumindest optisch – schlichter Baumwollschlauch. Konfektioniert ist das Kabel mit versilberten Cinchsteckern der US-amerikanischen Firma Cardas, die laut Keller an sich bereits „extrem unaufgeregt“ klingen – und die er ebenfalls durch eine hauchdünne Schicht Geigenlack klanglich noch weiter harmonisiert hat.

NovaPad Audio Cinchkabel
NovaPad-Audio Cinchkabel | Foto: Daniel Plaßmann

Zum Lieferumfang gehört zudem ein passendes Erdungskabel, das in sehr seltenen Fällen beim Anschluss eines Plattenspielers nötig sein kann, um Brummgeräusche zu eliminieren. Dazu wickelt man einfach das Erdungskabel um einen der beiden Cinchstecker, der im Phonoausgang des Plattenspielervorverstärkers steckt. Das freie Ende des Erdungskabels wird dann am Verstärker an der Klemme für das Erdungskabel befestigt.

Das Kabel gibt es natürlich auch mit XLR-Steckern – und beide Varianten (Cinch oder XLR) gleich in zweifacher Ausführung: zum einen wie das hier getestete Cinchkabel exklusive für Quellgeräte; und zum anderen zur Verkabelung von Vor- und Endstufen beziehungsweise Monoblöcken. Diese Variante ist laut Keller über die speziell dort zum Einsatz kommenden Geigenlacke tiefer abgestimmt, sodass das Klangspektrum noch umfassender sein soll.

Die Wirkungsweise

Zur Wirkungsweise könnte ich mich hier nur wiederholen. Wer die Details noch einmal lesen möchte, findet sie im Testbericht des Lautsprecherkabels. Die Kurzfassung: Der Geigenlack harmonisiert nicht nur bei den Musikinstrumenten, für die er ja eigentlich gedacht ist, die Resonanzen und Oberschwingungen und führt etwa bei den weltberühmten Stradivaris zu ihrem außergewöhnlichen Klang. Auch hier beim Kabel passiert im Prinzip dasselbe: Oberschwingungen (etwa verursacht durch Elektrosmog von WLAN- und Mobilfunknetzen) lassen sich so vermindern und beruhigen – und laut Keller sogar so harmonisieren, dass sie dem Klang zuträglich werden.

Das Ganze funktioniert aber nur in eine Laufrichtung, die auf dem Kabel vermerkt ist. Keller merkt dazu an, dass seiner Erfahrung nach die Qualität eines Kabels umso besser ist, je deutlicher sich der Unterschied bei den Laufrichtungen heraushören lässt. Der Grund: Korrekt angeschlossen arbeitet das Kabel im Sinne des Stromflusses ohne störende Oberschwingungen. Und so viel sei hier bereits verraten: Der Unterschied ist bei diesem Kabel tatsächlich sofort hörbar.

Novapad RCA-Kabel
NovaPad-Audio Cinchkabel | Foto: Daniel Plaßmann

Der Höreindruck

Bevor der Test losgehen konnte, habe ich das Kabel drei Tage lang eingespielt. Dazu musste ich erst einmal meinen alten CD-Player wieder aufstellen und anschließen – und mir als Testmaterial ein paar Silberlinge aus dem CD-Regal raussuchen, die längst gerippt sind und deshalb normalerweise nur noch vom Laptop ertönen. Aber eigentlich immer wieder schön, einen haptischen Tonträger in der Hand zu halten, einzulegen und die Playtaste zu drücken…

Wie immer starte ich meinen Test mit dem Elvis-Presley-Coveralbum „Love me tender“ von Barb Jungr (Linn Records 2005). Es hat sich mittlerweile so in mein Gehör eingebrannt, dass ich direkt mit dem ersten Track „Love Letters“ den Klang von Geräten und jeglichem Zubehör innerhalb kürzester Zeit einschätzen und bewerten kann. Dazu trägt neben der tollen Aufnahmequalität auch das „aufgeräumte“ Setting bei: Über die gesamte Bühnenbreite abgemischt die Celesta, mittig die Sängerin, halbrechts dann noch das Cello. Fertig!

Was mir beim NovaPad-Kabel sofort auffällt, ist der unglaubliche Schmelz in Jungrs Stimme. So natürlich und präsent habe ich sie tatsächlich über den CD-Player noch nie gehört. Dazu die glockenklare, aber niemals nervige Celesta. Und das sonore Cello, bei dem ich fast den Richtungswechsel des Bogens bei den längeren Tönen zu hören glaube. Was für ein Einstieg! Was dem Stück dagegen vollkommen fehlt, ist Tiefgang – natürlich nur bezogen auf den Bass-Anteil. Also wechsle ich die Scheibe und lege die Bass-CD schlechthin aus meiner Sammlung ein: die AUDIO-CD „Bass Power“. Meine beiden Lieblingsstücke sind Track 15 „Mondscheinsonate/Round About Midnight“, bei dem es sich um eine Interpretation von Beethovens Mondscheinsonate auf akustischer Gitarre und gestrichenem Kontrabass handelt.

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CM Audio

Und natürlich als absolutes Highlight Track 12 „Friends“ – eine Minute Bassfeuerwerk, gezündet von einem Elektrobass, einer Echo-Box und Wayne Pedzwater, dem Bassisten der Thom Rotella Band. Bei der Mondscheinsonate scheinen beide Instrumente so plastisch in meinem Hörraum zu stehen, dass ich nach ihnen greifen könnte. Die Atmosphäre aus dem Aufnahmestudio überträgt sich perfekt in meine vier Wände. Und wie schon beim Cello aus „Love Letters“ fällt mir auf, wie wunderschön hölzern (im besten Sinne!) der Kontrabass knarzt und brummt – vor allem, wenn er ab 2:44 Min. in den tiefsten Basskeller hinabsteigt.

Ein Gänsehautmoment! Fast unweigerlich stellt sich mir die (nicht ganz ernst gemeinte) Frage, ob das Geigenlack-Kabel Instrumente mit entsprechenden Lacken besonders gut wiedergeben kann? Meine Begeisterung steigert sich allerdings noch mit dem nächsten Stück, Track 12: So knackig, fetzig und mitreißend – ich kann nur grinsen bei diesem Spektakel. Eine Zwerchfellmassage, die einfach nur glücklich macht. Und weil der Track so kurz ist, höre ich ihn mir direkt noch mal an. Und grinse nur noch breiter.

Weiter geht’s – mit der „Schöpfung“ von Haydn, eingespielt von William Christie und dem Orchester und Chor „Les Arts Florissant“ (Virgin Classics 2007). Mein Favorit ist hier Track 14 auf der ersten CD: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“. Ein Stück, das für den Hörer schon mal etwas unübersichtlich werden kann – vor allem in der letzten Minute, wenn es ans Finale des kurzen Stückes geht. Hier sind eine gute räumliche Darstellung und eine ruhige Hand gefragt. Zwei Eigenschaften, die das NovaPad-Kabel sozusagen mit links erfüllt: Das Solisten-Trio sauber aufzustellen, ist ja noch leicht. Der große Chor dagegen erfordert deutlich mehr Geschick. Aber auch hier lässt sich jede Stimmlage zu jeder Zeit problemlos heraushören, kein Durcheinander, sondern ein energiegeladenes Miteinander, das einfach Spaß macht und mit den strahlenden Bläsern auf den Schlusstakten einen im wahrsten Sinne des Wortes glänzenden Abschluss findet.

Zurück zu ruhigeren Tönen – und der Supertramp-CD „Brother where you bound“ (A&M Records 1985, Remastered 2002). Das Album zählt meiner Meinung nach zu den besten Pop-/Rock-Aufnahmen überhaupt. Das lässt sich besonders gut an Track 3 „No between“ festmachen: Allein das leise beginnende Glockenspiel und die Atmosphäre während dieser ersten Takte sind schlichtweg umwerfend. Das NovaPad-Kabel zeigt hier einmal mehr, wieviel Musikalität und Detailverliebtheit in ihm steckt.

Die Glockenspielanschläge, die realistischer nicht sein könnten, und der glasklare Klang führen bei mir dazu, dass ich den Atem anhalte, um in den wenigen Sekunden, die das Vorspiel dauert, kein Detail zu verpassen. Dann die Stimme von Rick Davies, das Klavier, dann der Bass, der mit einzelnen Schlägen auch hier mein Zwerchfell massiert, die vielen Synthesizer- und Percussions-Effekte – und natürlich das melancholische Saxophonsolo: Hier passt einfach alles perfekt zusammen! Das Kabel lässt jede einzelne Stimme, jedes Instrument für sich strahlen – und verbindet sie gleichzeitig miteinander zu einer umwerfenden Räumlichkeit, die mich einfach packt und mit geschlossenen Augen meinen Hörraum vergessen lässt.

Es folgen viele weitere CDs aus meiner Sammlung – Adele, Allan Taylor, Brian Flanagan, Xavier de Maistre, um nur einige zu nennen. Aber das Ergebnis ist und bleibt umwerfend: Das Kabel hat keine Schwächen, dafür eine riesige Portion Musikalität, mit der es mir viel Spaß und stundenlange Musikhör-Sessions mit der guten alten CD beschert hat.

Stecker vom Novapad Cinchkabel
NovaPad-Audio Cinchkabel | Foto: Daniel Plaßmann

Das Fazit

Was soll ich sagen? Ich bin und bleibe NovaPad-Fan, weil Kellers Produkte einfach grandios klingen. Da macht das neue Cinchkabel keine Ausnahme. Für alle, die einen CD-Player, Plattenspieler oder anderen klassischen Zuspieler nutzen, lautet deshalb mein Rat: unbedingt ausprobieren!

Der Preis

Ein Stereo-Meter des NovaPad-Kabels kostet sowohl in der Cinch- als auch in der XLR-Version jeweils 900 Euro.

Der Vertrieb

NovaPad GmbH & Co.KG
Am Seerhein 6
78467 Konstanz
Deutschland 
Telefon: +49-(0)7531-36 82 74
E-Mail: info@novapad.de
Web: www.np-audio.de

Die Testanlage

  • Amplifier Devialet 120
  • Player Pioneer PD-77 (auf NovaPad-plus-Absorbern)
  • Speaker Duetta (modifiziert)
  • LS-Cable NovaPad Lautsprecherkabel
  • AC-Cable Amp VOVOX Textura Netzkabel 1,8 m

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