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An einem sonnigen Oktobertag habe ich mich zu einem Kurztripp zu Herr Mewes, Chef der Manufaktur von Auge und Ohr in Berlin, aufgemacht. Vorausgegangen waren über einige Wochen hinweg viele Telefonate mit einigen bemerkenswerten Aussagen. Einige Statements beschäftigen mich immer noch, wie beispielsweise der Hinweis auf das Alleinstellungsmerkmal von Auge & Ohr auf Grund von „unvergleichbarem“ technischen Know-How.

Auge und Ohr Inhaber Thomas Mewes
Auge und Ohr Inhaber Thomas Mewes neben T-Rex-Schädel | Bild: KB

Herr Mewes sieht sich als der „ultimativer Klangmeister“ und stellt in Bezug auf handelsübliche HiFi-Komponenten fest, dass „…Geräteelektronik und Lautsprecher Boxen aller Hersteller und Manufakturen, … immer mindestens 60-80% niedere Klangqualität aufweisen! Keine noch so kostspielige Neuanschaffung ist in der Lage, an die Klangqualität von Auge und Ohr heranzukommen!“

Gegenüber dem HiFi-Konsumenten gibt Herr Mewes den deutlichen Hinweis „…wie dämlich es für Sie ist, wenn Sie selbst ohne A&O Fachkompetenz als Kernkompetenz sich HiFi-High End-Heimkino kaufen!“.

Starker Tobak

Das ist auf jeden Fall starker Tobak aus Berlin! Einige HiFi-Liebhaber dürften gewiss bei diesen Worten zunächst einmal ordentlich zusammenzucken. Schließlich entpuppen sich solche Botschaften allzu oft als heiße Luft ohne Tiefgang. Und mit dem pauschalen Anzweifeln der Urteilsfähigkeit von HiFi-Käufern wird gewiss nicht jeder konform gehen können. Denn wer will sich gerne eine Hilflosigkeit beim Beurteilen von Qualitätskriterien von HiFi-Komponenten attestieren lassen? Niemand!

King Kong in Hörraum von Auge & Ohr
Im Vorführraum von A&O wird man von King Kong beobachtet … | Bild: KB

Konstruktive Fehler in jedem HiFi-Gerät

Doch wie kommt Herr Mewes zu dieser Überzeugung? Tatsächlich ist es in der Praxis oftmals schwer für das gegebene finanzielles Budget eine klangliche Ideallösung zu erhalten. Nicht selten basiert die Kaufentscheidung blind auf Testberichten von einschlägigen Fachzeitschriften oder auf einem ungeprüften Geheimtipp aus den Internetforen. Verhältnismäßig selten kommt es zu einer ausführlichen und ehrlichen Beratung durch einen erfahrenen Fachhändler, der für seinen aufgeschlossenen und unvoreingenommenen Kunden zielsicher die bestmögliche Lösung findet.

Und, da ist sich der Berliner Manufakturbetreiber sicher, wird selbst bei allerteuersten Komponenten nie das klangliche Optimum erreicht, da bei der Herstellung immer konstruktive Fehler gemacht werden. Das führt häufig dazu, dass der Kunde nach anfänglicher Euphorie schnell mit der klanglichen Performance unzufrieden ist und sich nach einiger Zeit erneut auf die Suche nach einer Ersatzkomponente (mit unbestimmten Ergebnis) aufmacht. Dieser „Teufelskreis“ geht dann immer weiter…

„Klangsteigerung um mindestens 60-80% durch Auge und Ohr Modifikation“

Thomas Mewes

Herr Mewes ist kein Freund des Onlinehandels und setzt stattdessen auf einen ganzheitlichen Beratungsansatz, persönlich und ausschließlich vor Ort in Berlin. Nur auf diese Weise kann für interessierte Kunden das Klangmaximum im vorhandenen Budgetrahmen erreicht werden. Ob Modifikationen an vorhandenen Gebrauchtkomponenten oder an Neugeräten, Herr Mewes ist sich sicher, an jeder Komponente durch gezielte Eingriffe die Performance um mindestens 60-80% steigern zu können. Das kann – gem. seinen Ausführungen – unter Umständen schon mal so weit führen, dass am Ende von der ursprünglichen Komponente nur noch wenig Originalbauteile übrigbleiben.

Thomas Mewes im selbstgebauten Uge und Ohr Ledersessel
Thomas Mewes im Ledersessel aus eigener Produktion | Bild: KB

Nur leeres Marketinggequatsche?

Die erwähnten Telefonate weckten Zweifel und Hoffnung gleichermaßen in mir: Sind dies womöglich alles nur leere Marketingphrasen mit dem Versuch, sich durch Überheblichkeit zwanghaft von den Mitbewerbern abzuheben? Oder hat der Mann recht und bietet seinen Kunden mit seiner unkonventionellen Herangehensweise wirklich einen nachhaltigen Mehrwert?

Vieles was er am Telefon über Klang sagte, hatte mich hellhörig gemacht. So erwähnte er beiläufig, dass er bei seinen Kabeln eine gezielte Kombination von Kupfer und einer Silber-/Gold-Legierung in einem bestimmten Verhältnis einsetzt.

Da könnte was dran sein, denn durch diverse NF-Kabelvergleiche und dem Sicherungstest unter https://www.hifi-today.de/sicherung/vergleich.html ist mir klar, dass jeder Leiter eine eigene Klangcharakteristik aufweist. Eine gezielte Kombination dieser Leiter in Form eines Hybridkabels zur Eliminierung von materialspezifischen „Klangverfärbungen“ ist auf jeden Fall ein interessanter Ansatz, den Auge & Ohr verfolgt.

Der Wahrheit auf der Spur

Der redaktionelle Impuls zu dieser Reise ist es, der Wahrheit ein Stück näher zu kommen. Zur Überprüfung der Tuningexpertise soll der Redaktionsplayer Oppo UDP-205 vor Ort gegen eine modifizierte Auge & Ohr Version antreten.

Inzwischen hatte ich das Ziel, Kolonnenstraße 28 erreicht, konnte aber von der Straße aus kein Schaufenster, Firmenlogo oder sonstige kommerzielle Lebenszeichen erkennen. Seltsam, hatte ich die falsche Adresse? Nachdem in der Nähe ein geeigneter Parkplatz gefunden war, ging es mit Oppo, Stativ und Digitalkamera zu Fuß in Richtung Hausnummer 28. Nur der Blick durch eine halb geöffnete Türe konnte die Richtigkeit der Adresse bestätigen.

Lautsprechergehäuse, elektronische Bauteile und ein PC deuten auf eine Werkstatt hin. Das musste es sein. Ich stellte mir vor, wie viele Kunden einen Kulturschock erlebt haben, die sich unter der Location Auge & Ohr ein nobles Verkaufsladengeschäft mit chicker Möblierung, teurer Espressomaschine, trendigem Parkettboden und chromblitzenden Verkaufsregalen mit einer Vielzahl von Gerätschaften vorgestellt haben.

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AQVOX Audio
Blick in das Innenleben der Auge und Ohr Lautsprechergehäuse
Blick in das Innenleben der A&O Lautsprechergehäuse | Bild: KB

Von oberflächlichem Blink und Glitzer hält Herr Mewes nichts und letztendlich ist das – objektiv betrachtet – für den Klang auch völlig irrelevant. Aber ob dieser Ort tatsächlich eine Empfehlung wert ist, würde sich hoffentlich in den nächsten Stunden zeigen. Der erste optische Eindruck entsprach jedenfalls nicht den üblichen Erwartungen einer Premium High-End-Schmiede.

Die Überraschung im „Raum der Wahrheit“

Im Hörraum, nennen wir ihn mal „Raum der Wahrheit“, geht es dann zur Sache. Das verbaute Equipment lässt großartiges erwarten. Der Raum ist mit einer Vielzahl von Lautsprecher-Eigenentwicklungen ausgestattet. Dazwischen diverse Figuren aus bekannten Kinofilmen, u.a. der Schädel eines Tyrannosaurus Rex in Originalgröße. In der Raummitte ein großer roter Ledersessel, der zum längeren Verweilen einlädt und dessen Einladung ich gerne folge. Dann, endlich, die Klangdemo geht los und – ich werde nicht enttäuscht! Tatsächlich, hier wird großes Kino geboten. Damit ist nicht die große Leinwand oder die großen Dekofiguren aus etlichen Blockbustern gemeint. Ich meine tatsächlich die klangliche Darbietung! Sensationell, welche Performance hier offenbart wird!

Auge & Ohr Center-Lautsprecher an der Decke
„Geschmückter“ Center-Lautsprecher an der Decke | Bild: KB

Wer jetzt glaubt, das dieses Fazit einige Zeit intensiven Hörens bedarf, der irrt. Das Ergebnis stand bereits nach wenigen Sekunden zweifelfrei fest. Der Live-Mitschnitt „LEGENDS OF JAZZ – SHOWCASE“ wird mit unvergleichlicher Akkuratesse sowohl in 7.2.4 Dolby Atmos – DTS X sowie 5.1 Dolby Souround als auch im Stereobetrieb wiedergegeben. Klar, der getriebene Materialaufwand dabei ist – mit einem Blick auf die an der Decke befestigten Lautsprecher samt externen Weichen – mehr als rekordverdächtig! Ähnlichen Aufwand gibt es auf den einschlägigen Audiomessen zu sehen, oftmals dann leider nur mir mittelmäßiger Audioperformance. Aber hier passt alles – größtes Lob meinerseits an den „Klangmeister“!

Der Mann versteht in der Tat sein Handwerk. Herr Mewes erklärt: “Über viele Jahre hinweg und in unzähligen Räumlichkeiten konnte ich in Zusammenarbeit mit Musikern durch direkte Hörvergleiche gegenüber der originalen Livemusik meine Lautsprechermodelle auf Weltklasseniveau entwickeln. Diese Vorgehensweise weicht von der industrielle Entwicklung von HiFi-Komponenten ab, da hier üblicherweise fast ausschließlich auf Messungen vertraut wird!“

Oppo gegen Oppo

Doch wie sind die Auge & Ohr Tuning-Maßnahmen an konventionellen HiFi-Komponenten zu beurteilen? Höchste Zeit, den mitgebrachten Oppo 205 mit der Modifikation von Auge & Ohr zu vergleichen. Knapp 2.100 Euro ruft der Manufakturbesitzer für die Modifikation auf. Dabei wird die Innenverkabelung ersetzt und das Laufwerk mechanisch beruhigt.

Neue Innenverkabelung und Laufwerksberuhigung mit Spezialholz beim Auge und Ohr Oppo 205
Neue A&O Innenverkabelung und Laufwerksberuhigung mit Spezialholz beim A&O Oppo UDP-205 | Bild: KB

Das Ergebnis ist beeindruckend. Schließlich spielt das Originalgerät – bezogen auf die derzeit erhältlichen Mainstreamplayer – bereits auf einem sehr hohem Niveau. Im A/B-Vergleich wird deutlich, dass die Komponente durch den Eingriff von Herrn Mewes noch einmal deutlich zugelegt hat. Wenn ich das Gehörte beschreiben müsste, würde ich sagen das Originalgerät hört sich nach einer sehr guten Liveaufnahme an. Bei der modifizierte Variante ist man direkt im Geschehen und kann Nuancen hören, die beim ungetunten Gerät nur ansatzweise zu hören sind. Beeindruckend, was das Auge & Ohr Tuning aus dem Oppo entlockt und wie groß der klangliche Abstand zum Originalgerät ist!

Vorbereitung Schallwand mit optimierten akustischen Zentrum
Vorbereitung Schallwand mit optimierten akustischen Zentrum | Bild: KB

Kurzer Blick auf ein Kundenprojekt

Doch lassen Sie uns den „Raum der Wahrheit“ verlassen und einen Blick in die Werkstatt von Auge & Ohr werfen. Eine einfache Elac Box der 500 Euro-Klasse wird gerade auf Kundenwunsch modifiziert. Die Seitenwände, Deckel, Boden und Rückwand werden von A&O optimiert, so dass aus dem regulären Mainstreamgehäuse ein klangneutrales High End Gehäuse wird. Bei der Front wurde zudem bei einem Lautsprecherchassis das akustische Zentrum (siehe Glossar „Akustisches Zentrum“) perfektioniert. Gleichzeitig wird die Frequenzweiche ausgelagert und bekommt einen neuen Platz an der Rückseite der Box. Die dazu notwendigen Schreinerarbeiten werden direkt vor Ort ausgeführt, lediglich bei größeren Gehäuseüberarbeitungen greift Herr Mewes auf eine externe Möbel-Tischlerei zurück.

Optimierung von Seitenwänden, Deckel, Boden und Rückwand der ELAC-Box
Optimierung von Seitenwänden, Deckel, Boden und Rückwand der ELAC-Box | Bild: KB

Knapp vier Stunden hielt ich mich bei Auge & Ohr auf und konnte einiges an Erkenntnissen mitnehmen. Der Verdacht, nur „heiße Luft“ vorzufinden, hat sich in keinster Weise bestätigt. Aus klanglicher Sicht – und nur darum geht es letztlich bei High End Audio – muss Herr Mewes ernst genommen werden. Sehr ernst sogar!

Herr Mewes scheut keinen Aufwand und keine Mühen bei der Umsetzung seiner Lösungen. Ob ein Hausbesuch nach Feierabend, eine optisch ansprechende Integration von hochwertiger Technik in bestehende Wohnlandschaften oder einfach nur kleinere Tuningmaßnahmen: Auge & Ohr macht es möglich, sofern der Kunde bereit ist, dem ganzheitlichen Lösungsansatz zu vertrauen. Der fängt beim Sicherungskasten an und hört beim Hörplatz auf. Für die Berliner Manufaktur scheint es keine technischen Grenzen bei der Umsetzung des Klangideals zu geben, lediglich das Kundenbudget entscheidet darüber, wie weit die Treppe in den audiophilen Olymp erklommen werden kann.

Nur Bares ist Wahres

Um die Leistungen in Anspruch nehmen zu können, ist Barzahlung vor Ort notwendig. „Das hängt mit einer grundsätzlichen Wertschätzung meiner Arbeit durch den Kunden zusammen“ meint Mewes. „Im Gegensatz zur schnellen und anonymen elektronischen Geldüberweisung findet bei der Barzahlung ein bewusster Energieausgleich auf persönlicher Ebene statt.“

Mission impossible?

Der Klangmeister ist konsequent: Wer von dem ganzheitlichen A&O Lösungsansatz mit dem Ziel einer absolut wirklichkeitsgetreuen Wiedergabe nichts hält, den will Herr Mewes nicht als Kunden haben. Hier wird eine klare Grenze gezogen, nicht zuletzt auch deshalb, weil seine Manufaktur im Besitz von seltenen und nicht mehr erhältlichen Bauteilen auf Weltklasse-Niveau ist, die er letztlich nur an wertschätzenden Kunden vermachen will.

Aber eine Ablehnung der besonderen Fähigkeiten des Berliner Unternehmers durch einen Kunden dürfte selten passieren. Denn wer vor Ort im „Raum der Wahrheit“ in die klanglichen Welten von A&O eintaucht, wird keine Zweifel an hervorragenden Resultaten bei jeglichen Kundenprojekten haben. Da dürfte eher die Frage auftauchen, warum man nicht schon früher die Dienste des Berliner Klangmeisters in Anspruch genommen hat.

Auge und Ohr Ultra Reference Plattenspieler
A&O Ultra High End Reference Plattenspieler für 22.700 Euro | Bild: KB

Kontakt

Auge & Ohr
Thomas Mewes
Kolonnenstraße 28, 10829 Berlin
Web: https://augeundohr-berlin.de
Mail: augeundohr@t-online.de
Tel.: 030 / 787 19 343

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