Lautsänger Manufaktur in Hirschhorn – Unternehmensportrait

Lesedauer: ca. 7 Minuten

Ist der Explorer wirklich so gut? Rechtfertigt das Kunsthandwerk, das Lautsänger in einen Meze-Kopfhörer reinsteckt, tatsächlich seinen Aufpreis? Nach dem April-Test des außergewöhnlichen 1.790-Euro-Headphones hatte es durchaus Reaktionen gegeben. Für uns ein guter Anlass, mal einen Blick hinter die Kulissen der hessischen Audio-Manufaktur zu werfen.

Um hier alle Leser auf gemeinsame „Ballhöhe“ zu bringen: Der Autor hatte im April diesen Jahres den Kopfhörer Lautsänger Explorer getestet – das weltweit erste Audio-Gerät, das nach dem Idiom der chladnischen Klangfiguren modifiziert wurde. Die Lehre, die sich an der Schwelle von Technik zu Kunsthandwerk befindet, beschäftigt sich mit den Phänomenen von Klängen und Wellen und strebt dabei ein möglichst natürliches und lebendiges Klangideal an.

Generieren einer kymatische Klangfigur aus Sägemehl
Generieren einer kymatischen Klangfigur mit Weizengrieß – Bild: MD

Und dieses hatte der Explorer mit großer Bravour erfüllt: Er überzeugte mit einer überwältigend körperhaften, raumfüllenden und authentischen Musikwiedergabe, die selbst bei nicht perfektem Ausgangsmaterial zu stundenlangem, ermüdungsfreien Hören einlud.

Wie der Vergleich mit dem nicht-modifizierten, ansonsten aber durchaus gelungenen Meze-Kopfhörer 99 Classics zeigte, waren es die zwei im Umfeld der Treiber modifizierten kymatischen Formelemente, sogenannte „Kymatik-Organe“, die für den „großen Sprung“ nach vorne sorgten. Aber wie entstehen diese Formteile? Was braucht es dazu? Welche Techniken und kunsthandwerklichen Fähigkeiten sind dafür von Nöten? Um all das näher zu erfahren, machte sich der Autor auf ins malerische Hirschhorn am Neckar, der „Perle des Neckartals“.

Altstadt von Hirschhorn
Altstadt von Hirschhorn – Bild: MD

Alte Handwerkstradition

Die Firma Lautsänger ist erst zwei Jahre jung, logiert aber bereits in einer ehemaligen Villa. Deren großer, wilder Garten lädt nicht nur zum Philosophieren ein, sondern fusst fast unmittelbar ans Neckarufer.

Geschuldet ist die romantische Location aber einzig und allein dem Umstand, „dass unser Anwalt uns das alte Haus sehr günstig überlassen hat. Er ist ein Fan, von dem, was wir hier tun“, kommentiert Lautsänger-Geschäftsführer Harald Hobelsberger die Wahl für den außergewöhnlichen Firmensitz. Das lange Zeit leerstehende 50er-Jahre-Gebäude kann man sich in der Tat als passenden Rahmen für eine aufstrebende Manufaktur vorstellen.

Firmeninhaber Harald Hobelsberger
Geschäftsführer Harald Hobelsberger – Bild: MD

Unser Standort im südlichen Odenwald ist dennoch kein Zufall, denn hier befinden wir uns in der Nähe von Erbach, dem ehemaligen Zentrum der deutschen Elfenbeinschnitzerkunst. Außerdem ist die Uni-Stadt Heidelberg nicht weit“, fasst Hobelsberger die Wahl von Hirschhorn am Neckar zusammen. Damit sind Wissenschaft und Kunsthandwerk in unmittelbarer Nähe.

Die jahrhundertealte Schnitzertradition von Erbach versetzt uns außerdem in die Lage, qualifizierte, junge Menschen zu finden, die Holz auf höchstem Niveau bearbeiten können. Pro Jahr werden vielleicht gerade noch vier bis sechs Elfenbeinschnitzer ausgebildet. Da ist es schon etwas ganz Besonderes, dass wir solche Kollegen bei uns an Bord haben“, so Hobelsberger weiter.

Junges Kunsthandwerker-Team

Tritt man bei der Manufaktur über die Hausschwelle, steht man sogleich in der Fertigung – inmitten der Schreinerei. Dort und in den weiteren Räumlichkeiten traf der Autor auf ein junges, sympathisches, sechsköpfiges Team, das seiner Arbeit fast mit der Ruhe und Hingabe tibetanischer Mönche nachging: Schreinermeister, Elfenbeinschnitzer, Holzbildhauer und Drechsler.

Detailverliebte, aber gleichzeitig völlig unprätentiöse Kunsthandwerker eben. Menschen, die sich jeden ihrer Arbeitsschritte sehr genau überlegen müssen, denn ein „Schnitzer“ heisst eben immer auch: Man muss mit dem Teil, das man mitunter seit vielen Stunden bearbeitet, wieder ganz von vorne anfangen. Obendrein wäre dann der jeweilige hochwertige Holz-Rohstoff verschwendet.

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Herstellung der chladnischen Formteile
Zeitaufwändige Herstellung der chladnischen Formteile – Bild: MD

Der menschliche Faktor

Auf die Frage des Schreibers, wie lange es dauert, die vier hauchzarten chladnischen Formteile für einen Explorer-Kopfhörer anzufertigen, überlegt der junge Elfenbeinschnitzer kurz und sagt: „Schon so zwei Tage“. Im weiteren Gespräch erfahren wir außerdem, dass jedes Teil ein Unikat ist und aus einem vollen Stück Holz herausgearbeitet wird: Langsam, vorsichtig und sehr, sehr präzise. Und all das dauert. Warum der Explorer kostet, was er kostet, lässt sich eben auch auf den anspruchsvollen, heiklen Entstehungsprozess der Formteile zurückführen.

Herstellung der chladnischen Klangformen
Fingerspitzengefühl ist gefragt bei der Herstellung des filigranen Innenmusters – Bild: MD

Entscheidend für die Lautsänger-Produkte sowie insbesondere deren Charakter und Klangeigenschaften ist laut Hobelsberger vor allem aber der „menschliche Faktor“. Anders formuliert: Der gelernte Ingenieur mag eben nicht, dass jeden Tag 10.000 perfekte Formteile aus irgendeiner Maschine fallen. Er möchte von Hand gefertigte Einzelstücke verbauen lassen, die alle auf langen Versuchsreihen und jahrelangen Material- und Formkenntnissen in Sachen Kymatik beruhen.

Denn Töne und Klänge formen Stoff und Materie auf unverwechselbare Weise. Sie wirken dabei als ordnende Kraft“, fasst Hobelsberger die Lautsänger-Philosophie prägnant zusammen. Wie der Schreiber erfahren durfte, erinnert die beschriebene Vorgehensweise insgesamt mehr an den Instrumentenbau als an die Entwicklung klassischer HiFi-Technik.

Hobelsberger ist von seiner Philosophie so überzeugt, dass er für sein Vorhaben seine gesicherte städtische Anstellung aufgegeben hat. Dort war er viele Jahre lang als Ingenieur im Bereich Umwelt tätig. Nach eigener Aussage wollte er aber „einen Traum verwirklichen.“ Wenn man mit Harald Hobelsberger spricht, spürt man seine Ernsthaftigkeit, seinen Glauben an die Sache, aber auch großen Respekt, der in der Natur der Sache liegt, wenn man mit Mitte Fünfzig noch einmal neu durchstartet. Hut ab vor diesem Enthusiasmus!

Lautsänger Logo
Selbst das Lautsänger-Logo ist Handarbeit – Bild: MD

Neueste Entwicklungen

Schauen wir zum Schluss unserer Reportage kurz noch nach vorne, denn seit dem April-Test waren die Hessen nicht untätig. So haben sie für den Explorer, den laut Hobelsberger übrigens kein einziger Käufer nach der Testphase zurückgeschickt hat, ein hochwertiges Bluetooth-Modul entwickelt. Es kostet 119 Euro, ist ab sofort lieferbar und beherrscht unter anderem den aptX-HD-Codec, der Fast-CD-Auflösung ermöglicht. Da Lautsänger das Gehäuse des Dongles selbst in Kleinserie fertigt, müssen Interessenten mit zwei bis vier Wochen Lieferzeit rechnen – erhalten dafür aber ein handgefertigtes Produkt, das nicht „von der Stange“ ist.

Lautsänger Bluetooth-Modul mit aptX-Codec
Bluetooth-Modul mit aptX-HD-Codec – Bild: MD

Etwas gedulden müssen sich übrigens auch hifi-today-Leser, bis wir den „kleinen“ Lautsänger-Kopfhörer Journey (UVP: 789,- Euro Einführungspreis) genauer unter die Lupe nehmen. Der Berichterstatter konnte bei seinem Besuch in Hirschhorn am Neckar schon mal kurz reinhören und freut sich daher auf den für September oder Oktober geplanten Testbericht.

Apropos Kopfhörer: Seit 1. Juli 2021 konnte Lautsänger die Flux Hifi GmbH aus Schwetzingen als Vertriebspartner für just dieses Produktsegment gewinnen. Auf Instagram und auf der Lautsänger-Homepage sollen Interessierte in Zukunft weitere Einblicke zu diesem Thema bekommen. Ach ja: Bei Lautsänger arbeitet man außerdem intensiv an der Modifikation eines ausgewachsenen High-End-Lautsprechers, der aus Fernost stammt!

Sie sehen, liebe Leser: Die Themen „Kymatik“ und „chladnische Klangfiguren“ werden uns folglich noch etwas länger begleiten. Gut, dass wir bei Lautsänger mal hinter die Kulissen schauen durften, denn da kommt sicher noch so Einiges.

Kontakt

Türschild Lautsänger

Lautsänger UG (haftungsbeschränkt)
Harald Hobelsberger
Brentanostraße 23
D-69434 Hirschhorn
Tel.:  +49 (0) 6272 55 999 05
https://www.lautsaenger.com

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