Plattenspielermatten von Millennium Audio – HiFi Test

Lesedauer: ca. 9 Minuten

Plattenspieler „pimpen“ macht Laune. Und Matten sind der vielleicht eleganteste Weg, um klanglich und optisch mehr aus Analog-Playern herauszukitzeln. Wer damit eigene Klangvorstellungen realisieren möchte, benötigt lediglich etwas Zeit und Geduld.

Am besten hat der Plattenfreund dafür eine Auswahl unterschiedlicher Auflagen zur Hand – so ideal zusammengestellt wie bei dem hier vorgestellten „CARE-Paket“ von Millennium Audio. Denn das Experimentieren lohnt sich! Insbesondere für Dreher mit Druckgusstellern.

Originelle Verpackung für das CARE-Paket bzw. der Carbonmatte mit Plattenpuck| Bild: KB

Wie wir bei den Recherchen für unseren Übersichtsartikel Plattenspielermatten: Fast-Tuning für LP-Hörer feststellen konnten, ist das Angebot an Tellerauflagen ähnlich unübersichtlich wie die aktuelle Corona-Politik.

Was aber schnell auffällt: Es finden sich nur ein paar wenige Anbieter, die ein Portfolio verschiedener Werkstoffe anbieten. Zu diesen gehört Millennium Audio aus Hamburg. Zum Test schickten uns die freundlichen Hanseaten Matten aus Filz, Kork, Carbon und Vinyl. Schauen wir uns die Teile mal genauer an.

M-Filzmatte
M-Filzmatte mit Vertiefung für das Plattenlabel | Bild: KB

Fester Filz und dünner Kork

Den Anfang macht hier die M-Filzmatte: Sie ist 3,0 Millimeter stark und in drei Farben erhältlich (Schwarz, Rot, Orange). Das Besondere an ihr: die Vertiefung für das Platten-Label, die ein gleichmäßiges Aufliegen der LP über den gesamten Teller gewährleisten soll. In dieser Form haben wir das bei einer Filzauflage bisher noch nicht gesehen.

Ungewöhnlich ist auch die Empfehlung, die Auflage zusammen mit dem mitgelieferten Puck zu betreiben. Das kleine Auflagegewicht besteht aus Edelstahl, vergütet mit einer Einlage aus Carbon. Die hartgepresste und mit Carbonfasern durchzogene M-Filzmatte macht insgesamt einen schön stabilen und erfreulicherweise überhaupt nicht fusseligen Eindruck. Aufgrund ihres Carbonanteils scheint sie auch weniger empfänglich für lästige Aufladungen zu sein als übliche Filzauflagen.

Apropos Fusseln und Aufladung: Beides sind keine Themen für das Pendant aus Kork. Die 2,0 Millimeter starke Tellerauflage nennt sich – Sie vermuten es vielleicht – M-Korkmatte. Auffallend ist an ihr die große Aussparung in der Mitte; sie berücksichtigt wie bei der M-Filzmatte die Verdickung durch das Plattenlabel.

Damit man die Korkauflage perfekt mittig auf dem Teller platzieren kann, gehört eine kleine weiße Zentrierscheibe zum Lieferumfang. Sobald alles sauber am Platz liegt, entfernt man diese für den Musikbetrieb. Idealerweise befestigt man die Korkmatte mit ein paar Streifen doppelseitigem Klebepapier auf dem Teller, sonst besteht „Rutschgefahr“.

M-Korkmatte | Bild: M. Dittert

Hauchzartes Carbon und sattes Vinyl

Die mit Abstand dünnste Auflage im Testquartett ist die M-Matte aus Carbon. Sie ist 0,3 Millimeter „dick“ und fällt durch ihre einseitige Samtauflage auf. Diese erhöht die Gesamtstärke auf 0,8 Millimeter und spart erneut den Platz für das Label aus.

Carbonmatte von Millennium Audio
Carbonmatte von Millennium Audio | Bild: KB

Der mitgelieferte Puck (identisch dem der M-Filzmatte) dient für diese sehr leichte Matte auch als ein Ausgleichsgewicht – sofern man über ein Subchassis-Laufwerk verfügt und den Gewichtsunterschied zwischen normalen LP-Pressungen und Reissues mit 180 Gramm berücksichtigen möchte. Da Carbon elektrisch leitfähig ist, soll die M-Matte statische Aufladung reduzieren helfen.

Last but not least: Kommen wir zur M-VC-Matte, die das Testfeld abrundet. Die 3,0 Millimeter starke Tellerauflage aus Vinyl verzichtet aus produktionstechnischen Gründen als einzige der vier Kandidaten auf eine Label-Aussparung. Da sie aus demselben Material wie eine Schallplatte besteht, soll sie für besonders innigen Rillenkontakt sorgen und Tonabnehmern zu deutlich besserer Abtastung verhelfen.

M-VC-Plate aus Vinyl | Bild: KB

Vom Hersteller zur Eigenmarke

Um für unseren Bericht so korrekt zu sein wie ein hanseatischer Kaufmann: Millennium Audio ist kein Hersteller. Das war einmal. Heute handelt es sich um eine Eigenmarke des Hamburger High-End-Vertriebs Audio Reference.

Wie uns AR-Geschäftsführer Mansour Mamaghani telefonisch berichtete, hat man die kleine Manufaktur schon vor einiger Zeit übernommen. Und das ist auch gut so, denn mit der AR-Vertriebspower im Rücken findet sich das analoge Zubehör „Made in Germany“ bei zahlreichen Händlern in der Auslage.

Zum Testablauf

Um ein aussagekräftiges Testurteil zu bekommen, wollte der Autor die Auflagen auf möglichst verschiedenartigen Plattenspielern testen. Er besuchte deshalb einen bekannten Stuttgarter Analogspezialisten, Thomas Fast von fastaudio.

Dessen Wohnraumstudio sitzt, nebenbei bemerkt, in einem der ältesten Gebäude der Landeshauptstadt – ein Wohlfühlort, wo man in entspannter Atmosphäre perfekt Hören und Schrauben kann.

Bei fastaudio standen uns zwei Solid-State-Masse-Laufwerke von Stefan Strohmetz (stst hifi-manufaktur) zur Verfügung, ferner ein Thorens TD 1601. Zusätzlich kam des Schreibers privater 1210er zum Einsatz.

Solid-State-Masse-Laufwerke der stst hifi-manufaktur
Solid-State-Masse-Laufwerke der stst hifi-manufaktur | Bild: M. Dittert

Nicht für alle Fälle

Der Besuch bei fastaudio machte eins schnell klar: Bei einem stimmigen Masselaufwerk ist der Einsatz von Plattentellermatten so eine Sache: Natürlich waren die klanglichen Veränderungen gut hörbar, insbesondere auf der „Wahsinnsanlage“ im Gesamtwert von knapp 100.000 Euro, die uns Thomas Fast zur Verfügung gestellt hatte.

Doch leider liefen die Veränderungen nicht alle vollständig in die gewünschte Richtung: Der Klang wurde nur in einzelnen Disziplinen besser, nicht aber im Sinne eines großen musikalischen Ganzen.

Ob das generell für alle Spieler mit hoher Masse zutrifft, kann der Autor nicht seriös beantworten. Im Fall der stst-Dreher, mit ihren hochdämpfendem und 5,5 Kilogramm schweren Kunststofftellern kann er das allerdings eindeutig.

Genial für Druckgussteller

Nach dieser Erkenntnis ging es anschließend umso erfolgversprechender weiter, denn die zum weiteren Vergleich herangezogenen Thorens- und Technics-Dreher wuchsen mit den Auflagen von Millennium Audio geradezu über sich hinaus.

In der Tat waren die klanglichen Veränderungen so überzeugend, dass sich die Hörsitzung über mehrere Stunden hinzog. Und das will was heißen, denn für jeden Mattenwechsel musste erneut die Tonarmhöhe angepasst werden!

Wer noch immer keine Ahnung hat, wie er sich in Zeiten von Pandemie und Homeoffice körperlich fit halten kann, für den hätten wir hier eine prima Work-out-Idee.

Tonarmeinstellung beim THORENS TD 1601 mittels Laser
Tonarmeinstellung beim THORENS TD 1601 mittels Laser | Bild: M. Dittert

Der Höreindruck

Zurück zum Test: Den Anfang in der „Normalverdienerklasse“ machte der Thorens, der mit einer schicken Ledermatte auflief. Die Matte ist sehr schön, aber gegen die vier Millennium Audio-Konkurrenten machte sie keinen Stich. Insbesondere die dünne Carbon-Auflage putze sie mit einem wesentlich dynamischeren und transparenteren Klangbild von der Platte. Pardon: vom Teller.

Sehr gut nachvollziehen ließ sich das bei „Desire“ von der LP „Anotha Black Sunday“ von Moodymann (KDJ – KDJ-38): Der komplex produzierte und sehr perkussive Beginn des House-Stücks klang mit der M-Matte nicht nur viel aufgeräumter; Drums und Bass „kickten“ einfach auch viel mehr, fuhren stärker in die Magengrube.

M-LP 4010 Plattenpuck
M-LP 4010 Plattenpuck | Bild: KB

Im Zusammenspiel mit dem Auflage-Puck tönte das Stück übrigens immer noch schön treibend, aber auch eine Nuance gediegener. Dem Autor gefiel der „speedige“, leicht „dreckige“ Sound ohne Puck besser, aber das ist sicher Geschmackssache und könnte sich in einer anderen Konfiguration und in einem weniger gut klingenden Ambiente drehen.

Der Wechsel auf die Vinylauflage setzte in puncto konturenscharfer Stereowiedergabe sogar noch einen drauf. Außerdem tönte die dickere M-VC-Matte, die sicher deutlich mehr dämpft, weniger „bissig“ und über alle Frequenzen vorbildlich neutral. Einzig im Bass lief sie einen Tick hinterher und spielte deshalb nicht ganz so auf den Punkt wie die in dieser Disziplin echt bockstarke M-Matte.

Apropos Bass: Wer auf satte, aber nicht allzu fette Beats steht, der sollte sich unbedingt die M-Korkmatte gönnen. Sie pumpt den Sound zwar ein klein wenig mehr auf – für schlank spielende Anlagen/Plattenspieler ist sie aber ein Supertipp, vor allem, weil sie wie die dünne M-Matte wunderschönen Drive besitzt.

Wer es gerne noch bassstärker, sanfter und „runder“ mag und insbesondere eine ausdrucksstarke Stimmwiedergabe sucht, für den lohnt sich das Experimentieren mit der M-Filzmatte. Der Effekt in Richtung „satter Klang“ ließ sich bei ihr mit dem Puck noch steigern; alles spielte mit dem kleinen Auflagegewicht noch entschleunigter. Den dramatischen „Zug“ und den hohen Detailreichtum der Carbon-Auflage konnte der „Filzer“ aber nicht entfachen.

LP-Carbonmat auf STST Solid-State-Masse-Laufwerk
LP-Carbonmat auf STST Solid-State-Masse-Laufwerk | Bild: M. Dittert

Fazit

Am neutralsten über alle Frequenzen spielte die Vinylauflage M-VC. Sie punktete mit einem im besten Sinne neutral-unspektakulären Klang, bei dem man immer das angenehme Gefühl hatte, „die Matte macht eigentlich nichts“. Nicht ganz so beeindruckend natürlich, aber den vielleicht entscheidenden Tick emotionaler und farbiger tönte die dünne M-Korkmatte – einer unserer Favoriten.

Wer es noch durchhörbarer und dynamischer mag, der findet dagegen mit der M-Matte aus hauchzartem Carbon seinen idealen Spielpartner. Sie erwies sich als ein echter Pulsbeschleuniger. Allerdings muss man gegenüber der Variante aus Kork eine etwas verringerte Farbpalette in Kauf nehmen.

Am anderen Ende des musikalischen Spektrums spielte dann übrigens die M-Filzmatte: Sie punktete mit einem ausdrucksstarken Mitteltonbereich und fundamentalen Bässen – prima Tuning für dünn klingende Analogketten.

Sie merken es schon: In den Klang-Olymp führt nicht nur ein Weg. Zeit, Geduld und Experimentierlust sind gefragt. Aber es lohnt sich insbesondere für Dreher mit Druckgusstellern! Dieser Eindruck wurde durch den Wechsel vom Thorens auf den Technics noch vertieft.

Kein Wunder, ist dessen Teller doch von sehr leichter Bauart, um schnell auf Drehzahl zu kommen, was ihn insbesondere in der DJ-Szene beliebt gemacht hat. Seine originale Gummimatte tönte übrigens gar nicht schlecht: Sie spielte dynamisch zwar gebremst, dafür aber bassmächtig und tonal geschlossen. Feine Störgeräusche fielen bei ihr allerdings am stärksten ins Gewicht.

Alle Millennium Audio-Matten waren in dieser Hinsicht besser, selbst die M-Filzmatte, was an ihren Carbonanteilen liegen dürfte. Und die Exemplare aus Kork-, Carbon- und Vinyl legten in puncto Nebengeräuscharmut allesamt noch eine Schippe drauf.

Dass Audio Reference die vier Matten als ein analoges Bundle anbietet, ist eine wirklich tolle Nachricht für experimentierfreudige Plattenspielerfreunde und ambitionierte Händler: Erstens sparte man auf diese Art 15 Prozent pro einzelne Auflage. Zweitens hat man so endlich einmal das perfekte Tuning-Kit für alle Fälle im Haus – ideal, wenn man den Tonabnehmer austauschen muss (oder will) und der Klang danach nicht mehr wie aus einem Guss scheint.

Wer das perfekte Weihnachtsgeschenk für LP-Liebhaber sucht – hier ist es!

Preise

  • M-Filzmatte Plattentellerauflage aus Filz: 35 Euro
  • M-Korkmatte Plattentellerauflage aus Kork: 30 Euro
  • M-LP-Matte Plattentellerauflage aus Carbon, inkl. Puck: 139 Euro
  • M-VC-Plate Plattentellerauflage aus Vinyl: 99 Euro
  • M-LP 4010 Plattenpuck: 35 Euro

Weitere Informationen zu den Produkten unter https://www.audio-reference.de/category/millennium-audio-vision/

Bestellungen auch zu Coronazeiten bei folgenden Fachhändlern möglich: https://www.audio-reference.de/fachhaendler/

Vertrieb

Audio Reference GmbH
Alsterkrugchaussee 435
22335 Hamburg
Telefon: +49 40 53320359
Telefax: +49 40 53320459
https://www.audio-reference.de/
Liste aller Fachhändler: https://www.audio-reference.de/fachhaendler/

Thomas Fast mit Testanlage
Thomas Fast mit Testanlage | Bild: M. Dittert

Testanlage

  • Tonabnehmer: Lyra Etna Lambda (MC), Ortofon Cadenza Red (MC), Audio Technica AT-VM95E (MM)
  • Tonarm: Stogi Ref 313 VTA
  • Laufwerk/Plattenspieler: stst Motus D, Thorens TD 1601, Technics SL1210 Mk2
  • MC-Übertrager: Lyra Erodion EVO
  • Vorverstärker: Audible Illusions Modulus 3B
  • Endverstärker: Air Tight AT-M2 Plus
  • Lautsprecher: Wolf von Langa 23216 AUDIO FRAME LONDON
  • Kabel: fastaudio

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